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Social Bots - Diskutieren mit Maschinen?

Wie sinnvoll ist es, sich mit virtuellen Nutzern auseinanderzusetzen?

Nicht nur die Wahlkämpfe des Superwahljahres 2017 werden in den sozialen Medien ausgefochten. Donald J. Trump ersetzt gleich das bisherige System offizieller staatlicher Verlautbarungen durch Twitter-Tweets. Wir können also damit rechnen, dass eine Reihe deutscher Amtsträger seinem Beispiel folgen werden und die Bedeutung von Twitter 2017 damit für die politischen Richtungskämpfe in Deutschland weiter zunehmen wird.

Lt. NDR „Zapp“ diskutieren bei Twitter allerdings nicht immer Menschen aus Fleisch und Blut miteinander. Sogenannte Bots (englisch von „Robots“) erstellen automatisch Kommentare, die Laien den Eindruck lebhafter Diskussionen vorgaukeln. Diese Bots sind Programme, die auf Hashtags reagieren, mit denen bei Twitter Diskussionen kategorisiert werden.

Bots reagieren auf Hashtags wie #Rapefugees, #Köln, #Ukraine usw. mit wechselnden Kommentare, die von eigens dafür geschaffenen gefälschten Twitter-Accounts abgesetzt werden. Das automatische Erstellen von Texten ist in weiten Bereichen des Journalismus bereits gang und gäbe und durchaus nützlich. So werden Sport-, Wetter- oder Börsenmeldungen auf Grund der vorliegenden Daten mit der erforderlichen Prosa angereichert und abgesetzt. Dies erledigen ebenfalls Bots.

Im Fall politischer Diskussionen bei Twitter sollen sie jedoch das Bild verzerren und den Eindruck erwecken, es handele sich bei den gehypten Themen um sogenannte „trending“ Hashtags.  Sowohl Republikaner wie Demokraten haben mit Bots Twitterdiskussionen befeuert, die Republikaner mit 32 %, die Demokraten mit 26 % aller im Wahlkampf abgesetzten Tweets (vgl. NDR Zapp). Alle Parteien – bis auf die die angebliche Lügenpresse geißelnde AfD - haben zwar versprochen, auf den Einsatz solcher Bots zu verzichten, doch ist das Internet voll von Anleitungen zur Herstellung der Lügen-Tweet-Software, die gegen den erklärten Willen von Sympathisanten aller Parteien eingeschleust werden könnten. Lt. „Spiegel“ ist weltweit jeder 12. Twitter-Account ein Software Roboter. Man sollte also bei den in den kommenden Monaten aufwallenden Diskussionen immer die Möglichkeit einer massiven Datenmanipulation einschließen. Eine Möglichkeit, diese künstlichen Twitter-Accounts zu erkennen, besteht darin, dass sie nicht retweeten – aber auch hier ist es eine Frage der Zeit, bis auch das geschieht.

Auch die Presse – notorisch langsamer als die sozialen Medien – sollte vermeintlichen Trends nicht hinterherhecheln, sondern sich eher auf Faktenckecks besinnen und damit Punkte für den Qualitätsjournalismus sammeln. 

Ein Engagement in den sozialen Medien birgt jedoch noch immer meistens wesentlich mehr Chancen als Risiken. Die Wahl des digitalen Kommunikationskanals sollte jedoch danach entschieden werden, wie stark kontrovers ein Thema diskutiert wird. Aktiv zu twittern heißt für Unternehmen, Behörden und Verbände eben auch, evtl. kontroverse Diskussionen zu ertragen und zu führen.

Jens Wilhelm, wilhelm innovative medien GmbH